Prüfungsangst

Die Menschen starren mich an, wollen mich hören. Und ich bekomme kein Wort heraus. Will ich das wirklich? Oder suche ich lieber nach einer Alternative? Bin ich Gut genug? Kann ich das überhaupt schaffen? Diese Prüfung entscheidet meine Zukunft! Ich kann nicht durchfallen, DARF nicht durchfallen.

Schriftliche Prüfungen sind noch in Ordnung. Wenn ich gut genug gelernt habe, kann ich einfach die Antworten aufschreiben, muss niemandem in die Augen schauen und kann gehen, wenn ich fertig bin. Oder eine Frage überspringen, wenn ich keine Ahnung habe – und es fällt keinem auf.
Aber mündliche Prüfungen, zwei bis drei Leute schauen mich an, wollen mich aufmuntern, mir das Wissen aus dem Mund saugen. So kommt es mir vor. Man kann die Reaktion auf die Antwort sofort im Gesicht ablesen, nur bei wenigen Menschen funktioniert das nicht. Man wird unsicherer, stottert, trinkt einen Schluck Wasser zur Beruhigung. Es geht wieder und nach spätestens 20min ist die Prüfung vorbei.

Ich bin froh, die einzige mündliche Prüfung dieses Semesters in Spanisch zu haben. Ich hatte bei der Professorin schon Einzelunterricht, das wird schon klappen. Und Spanisch kann ich auch. Wenn es aber eine Zertifikatsprüfung wäre, würde ich mich im Kreis drehen und verrückt werden.

Zeit

Seit Mittwoch bin ich mit all meinen Prüfungen für dieses Semester durch und es ist ein sehr seltsames Gefühl. Während des Semester musste ich immer für eine der Sprachen lernen, die ich angefangen habe. Sei es Grammatik, Vokabeln oder Schriftzeichen. Das hat sich am Ende bei mir einfach schon so eingegliedert in den Alltag, dass ich statt Videos zu schauen lieber gelernt habe.

Nachdem ich die Prüfungen geschrieben habe, fingen die anderen Prüfungen an, für die ich jeden Tag lernen musste. Dazu habe ich gearbeitet und hab auch sonst all meine Freizeitaktivitäten beibehalten, damit ich einen Ausgleich zum lernen habe. Jetzt war es aber Mittwoch nach der letzten Prüfung so, dass ich weder lernen, noch arbeiten noch sonst was machen musste und ich war verwirrt, denn ich wusste nicht, was ich tun sollte.

Ich habe versucht einen Film zu schauen, aber nach 20min konnte ich dem nicht mehr folgen, da ich den Gedanken hatte, irgendetwas sinnvolles tun zu müssen. Ich hatte Glück und meine Mitbewohnerin hat mich ein wenig aus diesem Nichtstun heraus geholt und wir sind Bouldern gegangen. Aber wäre sie nicht auf die Idee gekommen, würde ich mich immer noch fragen, was ich tun könnte.

So langsam, nach zwei Tagen Pause, habe ich auch selber Ideen, was ich machen kann. Ich habe wieder angefangen zu lesen und arbeite so langsam meinen Stapel ungelesener Bücher ab. Ich habe wieder Zeit zum Gitarre spielen, was einfach unglaublich toll ist. Und ich habe schon ganz viel Zeit darin investiert, die nächsten zwei Monate zu planen, von denen ich vier Wochen nicht in Deutschland sein werde. Der Sommer wird auf jeden Fall spannend =).