Seglerängste

Es geht wieder los. Grüne Segel, nur noch Meer um mich herum zu sehen. Ein guter Freund ist wieder mit an Bord. Es kann nichts schief gehen. Wir sind voll motiviert und warten auf die anderen Mitsegler. Die Zeit der Einschiffung kommt und geht, Touristen stehen am Pier und möchten Informationen zum Schiff, die wir auch gerne geben. Doch wo bleiben die Mitsegler? Alleine können wir das Schiff nicht manövrieren. Der Kapitän ist an Bord, ein Steuermann kommt hinzu und der Koch versucht uns mit Kuchen aufzuheitern.
Wir müssen den nächsten Hafen erreichen, also wird beschossen, dass wir das mit der kleinen Crew schon packen werden und laufen aus. Damit haben wir nicht gerechnet, aber wir machen dennoch motiviert mit. Irgendwie wird das schon klappen.

Im nächsten Moment ist das Schiff voll besetzt, wir “segeln” unter Vollzeug. Doch eigentlich kommen wir nicht voran, da kein Wind weht. Wir stehen auf der Stelle. Dem Kapitän und den Steuerleuten fallen keine Aufgaben mehr ein, die man bei Windstille tun könnte. Also versuchen wir uns bei Laune zu halten und erzählen über unser Leben, unsere Wünsche und Träume, singen Seemannslieder und spinnen Seemannsgarn. Ob wir den Hafen jemals erreichen werden, steht in den Sternen.

Beides sind Szenarien, die so nicht eingetreten sind, von denen ich im Schlaf aber regelmäßig begleitet wurde. Wie so oft hat mein Gehirn versucht, meine Ängste vorm Segeln bildlich darzustellen. Meine Seglerängste – auf das sie niemals wahr werden!

Advertisements

Zukunft?

Es sind Semesterferien. Nach sieben Semestern haben die meisten aus meinem Studiengang nun ihr Studium abgeschlossen und ihre letzte Klausur geschrieben. Das letzte Mal wurden die Lichter im Vorlesungssaal ausgeknipst und ein letztes Mal sind sie hinaus an die frische Luft gegangen.
Es stellt sich die Frage: Was kommt jetzt? Und wo siehst du dich in 10 Jahren?

Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung und habe immer noch keine Ahnung, was passieren wird. 10 Jahre sind eine so lange Zeit… Vor 10 Jahren war mein einziger Wunsch, mit meiner damaligen besten Freundin in die gleiche Klasse zu kommen (es hat nicht geklappt). Dass ich danach ein Austauschjahr machen würde oder genau das studieren würde, was ich nun studiere, war für mich unvorstellbar.

Woher soll ich also nun wissen, wo ich in 10 Jahren stehe? Wirklich weiser geworden bin ich nicht. Familienplanung und Karriere hält sich auch in Grenzen. Ich möchte in meinem Leben glücklich sein und hinter all den Entscheidungen stehen, die ich getroffen habe – seien es Gute oder Schlechte. Ich möchte Stolz auf mein Leben sein und meinen Enkeln irgendwann mit leuchtenden Augen von meinen Abenteuern berichten.

Ich bin gespannt, wo ich in 10 Jahren stehen werde. Was ich mache, wie ich mich in der Frage: Master oder Reisen? entschieden habe. Ein halbes Jahr Studium habe ich noch, dann darf ich mich Ingenieurin nennen. Und danach? – Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

Fado, Strand und Portugiesisch

Zwei Wochen Portugal. Zwei Wochen lang vier Stunden Portugiesisch am Tag. Zwei Wochen voller neuer Eindrücke, die echt schwer sind in Worte zu fassen. Zwei Wochen lang hatte ich die Möglichkeit fantastische Menschen kennen zu lernen. Einige davon sind nun gute Freunde geworden. Es war ein Abenteuer.

Vor knapp 1,5 Jahren habe ich mir vorgenommen, noch einmal nach Lissabon zu kommen, mit mehr Zeit um die Stadt kennen zu lernen. Und dann gab es die Möglichkeit, den Sprachkurs von der Uni Lissabon aus zu besuchen. Besser hätte es gar nicht sein können.

Zwei Wochen habe ich Portugiesisch gelernt und ich würde sagen, ich kann mich nun verständigen. Ich kann die Menschen verstehen und zumindest sagen, was ich will. Ein Sprachkurs direkt im Land bringt (zumindest mir) so viel mehr als ein Sprachkurs in Deutschland. Man wird einfach gezwungen zu sprechen und nach Wörtern zu suchen.

Jeden Tag war etwas anderes los. Stadtbesichtigungen, Sprachaustausche, um noch mehr Portugiesisch zu sprechen, und einfach diese neuen Leute besser kennen lernen.

Ich wurde inspiriert. Von der Musik; vor allem dem Fado und bin begeistert. Ein kostenloses Konzert habe ich besuchen dürfen und bin in diesem Konzert vom Fado verzaubert worden. Die Melodien, die künstlerische Leichtigkeit, die Zusammenarbeit zwischen den Musikern und diese magischen Momente, die selbst bei der Sängerin Gänsehaut hervorgerufen und zum weinen gebracht haben. Einfach unglaublich.

Die Erwartung, im Meer schwimmen gehen zu können, nur um dann herauszufinden, dass es ein Surferstrand ist und schwimmen damit ziemlich gefährlich.

Es waren viele Eindrücke, viele tolle Momente und es werden noch mehr. Lissabon lässt mich nicht mehr los und Portugiesisch lernt man nun einmal am besten in Portugal.

Arbeitsalltag

Ein Junge und ein Mädchen betreten die Eisdiele. Sie sind schüchtern, schauen sich nicht an. Er lässt sie auswählen, wo sie sich hinsetzen. Es scheint das erste Date der Beiden zu sein. Er bestellt als erstes, schaut sie erwartungsvoll an, was sie bestellt. Er fängt an zu reden und spricht über seine Heldentaten in der Schule. Langsam taut auch sie auf, fängt an über seine Witze zu lachen. Und fängt auch an, Geschichten zu erzählen. Am Anfang kurze, doch nach und nach kommt immer mehr Mut dazu und die Geschichten werden länger, weitschweifiger. Er schaut sie die ganze Zeit fasziniert an, doch sie ist immer noch schüchtern und traut sich nicht, ihn anzuschauen. Aber er hört ganz genau zu, was sie sagt, interessiert sich für sie. Es scheint der Anfang etwas großen zu sein. Als sie gehen, lädt er sie ein und gemeinsam gehen sie wieder aus der Eisdiele.

Geschichten wie diese habe ich in den letzten Wochen öfter gesehen und beobachtet. Um ein wenig Geld zu verdienen habe ich in einer Eisdiele gearbeitet. Man sieht einige Gesichter jeden Tag, man weiß schon, was sie sich gleich bestellen möchten oder nach welchem Eis sie fragen werden, das es aber leider gerade nicht im Sortiment gibt.
Man schaut eigentlich ständig in strahlende Gesichter, und es macht super Spaß, sich die individuellen Geschichten dazu auszudenken, oder Stückweise mitzuerleben.

Die Hochsaison ist vorbei, ich werde morgen meinen letzten Arbeitstag dort haben und nicht mehr so viele strahlende Gesichter sehen. Die Arbeit hat mir gezeigt, dass meine Stadt sehr viel vielfältiger ist, als ich vorher gedacht habe. Es gibt so viele verschiedene Menschen und bisher kannte ich nur einen Bruchteil davon. Kennen tue ich sie immer noch nicht, aber ich habe die Möglichkeiten dieser Stadt gesehen und was für eine Anzahl von Geschichten es gibt.

Sommer

Sommer. Sonne. Der Duft nach Sonnencreme. Sonnenbrand. Am See liegen. Zeit haben. Neues Entdecken. Neues Erleben. In den Tag hinein leben. Verschiedene Sprachen. Musik. Lachen. Mit Freunden Zeit verbringen.

Das ist für mich Sommer. Und noch viel, viel mehr. Für diesen Sommer habe ich nicht ganz so viel geplant, wie die vorherigen. Wobei es immer noch viel ist. Ich habe im Moment noch den Luxus, zwei volle Monate keine Uni zu haben und ich kann in dieser Zeit alles machen, was ich will. Bevor ich dann anfange (richtig) zu arbeiten, will ich diese Zeit auch vollkommen nutzen. Viele halten mich trotzdem für verrückt. Vor zwei Jahren habe ich in Irland ein Work and Travel gemacht. Letztes Jahr war ich auf Heimatbesuch in Deutschland. Dieses Jahr werde ich Portugiesisch lernen und anfangen zu lernen, wie man auf einem Drei-Master segelt. Vor allem das Segeln ist für mich DAS Highlight diesen Sommers.

Ich habe keine Ahnung, wen ich dabei treffen werde, aber ich werde neue Menschen kennen lernen. Neues Entdecken. Neues Lernen. Eine neue Sprache lernen. Neue Kulturen kennen lernen (wobei das Eintauchen diesmal nicht so ganz funktioniert). Und vor allem werde ich herausfinden, ob ich seetauglich bin. Ist dem so, habe ich auch schon einen großen Traum, den ich mir dann nach dem Studium in Erfüllung gehen lassen möchte.

Eigentlich hatte ich auch den Plan, wieder nach Spanien zu reisen, aber irgendwie will es dieses Jahr nicht. Meine Freunde dort sind alle selber verreist und ohne die ist es doch eher langweilig. Also habe ich mir die Alternativen ausgesucht.

Ich hoffe, auch ihr habt einen unvergesslichen Sommer und könnt viele schöne Momente aus den warmen, sonnigen Wochen herausholen.

Zeitreise

Ich schlage das Buch auf. Muss lachen, grinsen, werde sentimental. Ich blättere um und es kommen noch mehr Gefühle hoch. Es sind schöne Erinnerungen, die dort gerade hervorgerufen werde. Die Kommentare dazu, die ich vor Jahren dazu geschrieben habe, sind immer noch lustig. Geben dem Buch ein wenig Inhalt und Verständnis.

Immer, wenn ich wieder Heimweh nach Valencia, Guatemala oder Irland bekomme (Ich habe in allen Ländern schon für längere Zeit gelebt) schlage ich das dazugehörige Fotoalbum auf. Es sind schöne Fotos dabei. Viel Landschaft, weniger mit Menschen, wobei sich das in den späteren Alben geändert hat. Ich habe all diese Momente gelebt und geliebt, deswegen haben sie es in das Fotoalbum geschafft. Und ich bin froh, die Fotos auf Papier zu haben, drin blättern zu können. Viele fragen mich, warum ich das nicht einfach online hochlade und mir ein Buch ausdrucken lasse. Ich schneide lieber die Fotos zu, mache mir Gedanken, wie ich sie anordne und habe am Ende ein kleines Kunstwerk erschaffen, das mich in der Zeit zurück versetzen kann.

Es hilft mir nach dem Zurückkommen nach Deutschland, mit der Zeit abzuschließen. Noch einmal an all die schönen Dinge zu denken. Und später hilft es, mich an all die tollen Momente zu erinnern. Sozusagen ein Marmeladenglasmoment zwischen zwei Buchdeckeln.

Es sind tatsächlich kleine Zeitreisen. Wenn ich mir die Alben mit mitgereisten Personen anschaue, gibt es weit mehr zu lachen, da sich einer nicht mehr an den Moment erinnern kann und man sich wieder in Gedanken ruft, wie es damals war. Manchmal ist etwas in den Händen zu halten doch schöner.