Neuanfang

Da sitze ich nun in meiner neuen WG. Es ist ein schöner Altbau sehr zentral geworden. Die Mitbewohner durfte ich mir aussuchen. Mal schauen, wie wir uns zurechtfinden werden.

Nachdem ich nun vier Jahre in meiner Bachelor-Stadt gewohnt habe, wohne ich seit einer Woche in meiner Master-Stadt. Und ich kenne niemanden. Das ist ein wenig frustrierend. Nachdem alle Möbel aufgebaut und alle Kisten ausgepackt sind, kann man zwar das neue Zimmer genießen. Doch irgendwie fehlt der Kontakt zur Außenwelt. Ich versuche jeden Tag raus zugehen. Aber mit Regen und warten auf die Post lernt man doch niemand Neuen kennen.

Nach einer Woche nichts-tun freue ich mich nun darauf, dass die Uni anfängt. Da wird es Menschen geben. Ich kann mich über die Freizeitaktivitäten an der Uni informieren… und dabei endlich Menschen kennen lernen. Alleine sein ist das Schwerste am Neuanfang. Alles muss sich neu erarbeitet werden. Vor allem die Freundschaften. Alles andere hingegen ist einfach und gar nicht so wichtig.

Ich bin gespannt, wen ich treffen werde. Wie die Vorlesungen sein werden. Wie viele überhaupt im Kurs sind und was sich hier außerhalb des normalen Unterrichtes alles machen lassen kann.

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Prüfungsangst

Die Menschen starren mich an, wollen mich hören. Und ich bekomme kein Wort heraus. Will ich das wirklich? Oder suche ich lieber nach einer Alternative? Bin ich Gut genug? Kann ich das überhaupt schaffen? Diese Prüfung entscheidet meine Zukunft! Ich kann nicht durchfallen, DARF nicht durchfallen.

Schriftliche Prüfungen sind noch in Ordnung. Wenn ich gut genug gelernt habe, kann ich einfach die Antworten aufschreiben, muss niemandem in die Augen schauen und kann gehen, wenn ich fertig bin. Oder eine Frage überspringen, wenn ich keine Ahnung habe – und es fällt keinem auf.
Aber mündliche Prüfungen, zwei bis drei Leute schauen mich an, wollen mich aufmuntern, mir das Wissen aus dem Mund saugen. So kommt es mir vor. Man kann die Reaktion auf die Antwort sofort im Gesicht ablesen, nur bei wenigen Menschen funktioniert das nicht. Man wird unsicherer, stottert, trinkt einen Schluck Wasser zur Beruhigung. Es geht wieder und nach spätestens 20min ist die Prüfung vorbei.

Ich bin froh, die einzige mündliche Prüfung dieses Semesters in Spanisch zu haben. Ich hatte bei der Professorin schon Einzelunterricht, das wird schon klappen. Und Spanisch kann ich auch. Wenn es aber eine Zertifikatsprüfung wäre, würde ich mich im Kreis drehen und verrückt werden.

Zukunft?

Es sind Semesterferien. Nach sieben Semestern haben die meisten aus meinem Studiengang nun ihr Studium abgeschlossen und ihre letzte Klausur geschrieben. Das letzte Mal wurden die Lichter im Vorlesungssaal ausgeknipst und ein letztes Mal sind sie hinaus an die frische Luft gegangen.
Es stellt sich die Frage: Was kommt jetzt? Und wo siehst du dich in 10 Jahren?

Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung und habe immer noch keine Ahnung, was passieren wird. 10 Jahre sind eine so lange Zeit… Vor 10 Jahren war mein einziger Wunsch, mit meiner damaligen besten Freundin in die gleiche Klasse zu kommen (es hat nicht geklappt). Dass ich danach ein Austauschjahr machen würde oder genau das studieren würde, was ich nun studiere, war für mich unvorstellbar.

Woher soll ich also nun wissen, wo ich in 10 Jahren stehe? Wirklich weiser geworden bin ich nicht. Familienplanung und Karriere hält sich auch in Grenzen. Ich möchte in meinem Leben glücklich sein und hinter all den Entscheidungen stehen, die ich getroffen habe – seien es Gute oder Schlechte. Ich möchte Stolz auf mein Leben sein und meinen Enkeln irgendwann mit leuchtenden Augen von meinen Abenteuern berichten.

Ich bin gespannt, wo ich in 10 Jahren stehen werde. Was ich mache, wie ich mich in der Frage: Master oder Reisen? entschieden habe. Ein halbes Jahr Studium habe ich noch, dann darf ich mich Ingenieurin nennen. Und danach? – Ich werde euch auf dem Laufenden halten.